Mit dem Van durch das Oderbruch – ein Roadtrip in Brandenburg.

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    Das Oderbruch – Landidylle am Rande von Brandenburg.

    Das Oderbruch ist eine Gegend im Seenland Oder-Spree, unmittelbar an der deutsch-polnischen Grenze gelegen, und gehört zu diesen schönen Flecken Erde, die man überall in Brandenburg finden kann. Hier sagen sich Fuchs und Hase, Fasan und Rehlein, Quappe und diverses andere Getier „Gute Nacht“ – und auch „Guten Morgen“. Landidylle trifft es so ziemlich auf den Punkt, denn der muss man hier nicht hinterherlaufen, sondern sie einfach nur genießen. Die Entfernung zu Berlin beträgt gerade mal rund 60km und mit 20km in der Breite und 60km in der Länge sollte man schon aufpassen, dass man nicht einfach vorbeisaust.

    Manchmal kommt es mir vor wie eine Reise in die Vergangenheit. Hektische Moderne sucht man vergeblich, genauso wie durchgängigen Handyempfang – ein Traum, verpackt in kleine Dörfer und blühende Frühlingswiesen.

    Mit dem Van ins OderbruchKatze in Groß Neuendorf im OderbruchStreetArt im OderbruchSonnenuntergang im Oderbruch

    Lasst mich noch ganz kurz zur Geschichte der Gegend abschweifen, bevor ich euch mit jeder Menge Reisetipps in Wort und Bild versorge. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war das Oderbruch nämlich sumpfig, moorastig, ein Überschwemmungsgebiet und unbesiedelt. Erst der „Alte Fritz“, Friedrich der Große, gab die Begradigung des Flusslaufes und die Trockenlegung in Auftrag und ab diesem Zeitpunkt startete die Besiedlung und Bewirtschaftung des Deltas.

    Gedenkstätten, wie die „Seelower Höhen“, erinnern im weiteren Verlauf der Geschichte an Geschehnisse aus dem 2. Weltkrieg, als die Gegend kurz vor Kriegsende schwer getroffen wurde.

     

    Das Oderbruch für Roadtripliebhaber.

    Selten kommt mir ein Fahrzeug entgegen. Stattdessen verbringe ich viele Kilometer einsam auf kleinen Straßen und schalte öfter einen Gang runter als hoch. Ich verhalte mich wohl die meiste Zeit wie ein klassischer Sonntagsfahrer, viel zu langsam fahrend und unkontrolliert die Geschwindigkeit reduzierend, nur eben auch an allen anderen Tagen in dieser Woche Ende Mai. Aber es stört niemanden – wen denn auch?

    Auf den Alleen ist das Tempo via Schild auf maximal 80 km/h gedrosselt. Während die Sonne dort durch die Blätter glitzert, halte ich Ausschau nach möglichen Sehenswürdigkeiten, natürlich oder von Menschenhand geschaffen, die es zu besuchen lohnt. Es gibt keinen wirklichen Plan für meine Reise, nur eine grobe Richtung, und so biege ich mehrmals einfach irgendwo ab. Meistens lande ich auf Feldwegen, die in Sackgassen enden, aber oft finde ich auch kleine Schätze.

    Straße im OderbruchBlumenwiese im OderbruchRinder im OderbruchSonnenaufgang an den Oderhängen in Mallnow

    Deswegen eine klare Empfehlung meinerseits: Fahrt einfach drauf los. Nehmt Umwege und nicht immer den direkten Weg, dreht um, wenn ihr meint eine spannende Abfahrt verpasst zu haben. Straßen gibt es im Oderbruch in jedem Zustand und vielleicht findet ihr am Ende dieses eine kleine Juwel, von dem ihr noch lange schwärmen könnt. So habe ich schöne Aussichten entlang der Oder entdeckt und die ein oder andere Allee mit historischem Kopfsteinpflaster, das den Bus beim Drüberfahren vibrieren lies.

     

    Zum Camping ins Oderbruch.

    Ich mag Übernachtungsplätze mit Flair und / oder schöner Aussicht. Sehr sogar. Manchmal recherchiere ich stundenlang, nehme Umwege oder lange Anfahrtswege in Kauf. Da das Oderbruch nicht sehr groß ist, blieb mir letzteres zum Glück erspart.

    Für umme kann man in Lebus nur einen Steinwurf von der Oder entfernt stehen. Der asphaltierte Platz am Anglerheim bietet zwar keinerlei Ausstattung, dafür befinden sich in unmittelbarer Nähe Lagerfeuerstellen, Sitzgelegenheiten und traumhaft schöne Fußwege entlang des Flusses. Lasst euch dort den Sonnenauf- und -untergang nicht entgehen. Restaurants sind fußläufig erreichbar, Lebensmitteldiscounter gibt es am Ortsrand.

    Klassisches Camping wiederum bietet das Seecamp am Oderbruch in Zeschdorf am Hohenjesarscher See, inklusive kleinem Restaurant und Seeblick.

    Blick aus dem Van bei LebusKochen am Campingplatz im OderbruchZirkuswagen Naturerlebnishof UferloosFrühstück im Naturerlebnishof Uferloos im Oderbruch

    Zum Schluss möchte ich euch noch ein Schmankerl verraten, eine Alternative zum Campingplatz und auch nur für kleine Campingbusse oder das eigene Zelt geeignet. Der Naturerlebnishof Uferloos in Kienitz vermietet hauptsächlich Zirkuswagen und Ferienwohnungen, liegt gleich hinter dem Deich und versprüht einen Charme, bei dem man gerne versacken und noch lange bleiben möchte. Steffi und Norbert haben ein Konzept entwickelt, um dem Menschen die Natur wieder ein Stückchen näher zu bringen, angefangen beim Draußen-Frühstück am Morgen bis hin zum Lagerfeuer nach Sonnenuntergang. Nach individueller Anfrage kann man seinen Campervan auf der Wiese davor parken und alle nachhaltigen Annehmlichkeiten des Hofes entsprechend der Preisliste nutzen – oder sich einfach in einen der Zirkuswagen einmieten.

     

    Die Natur, der Outdoormensch und das Oderbruch.

    Wer die Natur mag, der wird das Oderbruch lieben. Auch wenn es hier an jeder Menge Superlativen fehlt, ist das genau das, was die Gegend so besonders macht. Hier wirbt man nicht mit dem Höchsten (was bei den paar Metern über dem Meeresspiegel auch eine Herausforderung wäre) oder dem Schnellsten, hier findet man kein Schnick und auch kein Schnack, sondern jede Menge Bodenständigkeit. Da steht auf dem Wegweiser zur schönen Aussicht eben „Schöne Aussicht“ und auf dem zur dicken Eiche … ihr habt es erraten … „Dicke Eiche“.

    Baumstumpf an der Oder im OderbruchSee im Delta der Oder im OderbruchVW T5 im OderbruchSchöne Aussicht vom Reitweiner Sporn

    Wer sich vom Roadtrip die Beine vertreten möchte, der parkt sein Auto in Reitwein und macht sich auf den Weg durch den Reitweiner Sporn, einem bewaldeten Höhenzug mit schöner Aussicht und dicker Eiche. Neben einem schon fast märchenhaften Wald findet man hier Geschichte, Literatur und im Ort selbst auch etwas Kultur. Aber dazu später mehr.

    Die Oder wiederum eignet sich hervorragend für Kanutouren unterschiedlichster Längen. Ich selbst habe mir ein Kajak vom Naturerlebnishof Uferloos geliehen und bin in einen Altarm des Flusses auf der polnischen Seite gepaddelt. Keine Menschenseele zeigte sich mir in der Zeit und Natur und Ruhe liessen viel Raum für’s Nichtstun und Nichtsdenken. Das Wasser in all seiner Form ist schon immer eine meiner großen Leidenschaften und wem es noch so geht, der wird hier im Oderbruch im Seenland Oder-Spree schnell fündig. Der Kanutourismus wächst sanft und bietet mittlerweile eine kleine Infrastruktur in Form von Rast- und Biwakplätzen.

    Kanutour auf der OderKajak auf Altarm der Oder im OderbruchSeitenarm vom Kietzer See

    Tja, und sonst? Man sollte im Oderbruch den Geräuschen der Natur lauschen. Hier findet sich der Ruf des Fasans, das Gezwitscher unzähliger weiterer Vögel und das Rascheln des Windes im Blattwerk der Bäume. Das seltene Adonisröschen blüht im Frühjahr an den Hängen des Oderufers rund um Lebus, der Kietzer See ist zentraler Bestandteil vom Europäischen Vogelschutzgebiet Altfriedländer Teich- und Seengebiet. Ein Traum nicht nur für Ornithologen.

     

    Kunst, Kultur & Architektur.

    Alternativ oder klassisch, der Vielfalt sind hier keine Grenzen gesetzt. Da findet man StreetArt in einem kleinen Ort, berühmte Architekten des 19. Jahrhunderts am Wegesrand, stolze Eigentümer und kreative Konzepte. Und das auf gerade mal knapp 1.000qkm. Wer also dem Naturmenschen eine Pause gönnen und dem Kulturmenschen etwas Input liefern möchte, für den sind die folgenden Zeilen genau das Richtige.

    Starten wir in Neulietzegöricke, einem Dorf, das ich erst beim vierten Mal fehlerfrei aussprechen konnte. Ca. 220 Einwohner teilen sich hier auf ein Gebäudeensemble auf, das als ältestes Kolonistendorf im Oderbruch von 1753 unter Denkmalschutz steht. Fachwerkhaus an Fachwerkhaus ist der Anblick der beiden Straßenzüge sicherlich auch etwas für Architekturmuffel. Es sind Gebäude mit Seele, wo jedes Fenster und jeder Balken eine Geschichte erzählen könnte. Während ich Fotos vom markantesten Hof des Ortes mache, kommen mir die Besitzer auf dem Gehweg entgegen und laden mich ein, einen Blick hinter das große hölzerne Tor zu werfen. Vierseitig wird die grüne Wiese mit der alten Eiche von Ställen und Scheunen umschlossen, ein Taubenhaus als Blickfang steht seitlich und es folgt über mehrere Minuten verteilt jede Menge Schwärmerei meinerseits.

    Haus in Neulietzegöricke im OderbruchInnenhof in Neulietzegöricke

    Da ihr jetzt schon in der Gegend seid, dann könnt ihr gleich noch einen Abstecher in Richtung Zollbrücke machen, zum Theater am Rand. Handgemacht, kreativ und individuell ist das Konzept sogar bis nach Berlin hinein bekannt.

    Auch den Kulturhafen in Groß Neuendorf solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Das Denkmalensemble befindet sich direkt an der Oder und ist ein Anblick, den man so hier irgendwie nicht erwartet hätte. Mit einem alten Verladeturm, mit Bahnwaggons, einer Schaukel in den Himmel, Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten, einer skurrilen Weltzeituhr und Entdeckungsmöglichkeiten in unmittelbarer Umgebung (zum Beispiel einem alten verwitterten jüdischen Friedhof).

    Verladeturm Kulturhafen Groß NeuendorfVW Bus am Kulturhafen Groß Neuendorf im OderbruchWeltzeituhr Groß NeuendorfStreetArt in Groß Neuendorf

    Wir sind noch nicht am Ende mit den baulichen Sehenswürdigkeiten im Oderbruch. Euren Ausflug nach Reitwein könnt ihr gleich noch mit der Besichtigung eines Trafohäuschens verbinden, dem Trafo.3, einem Projekt, das Kunst dort zeigen will, wo sie niemand vermutet – am Wegesrand.

    Und jetzt folgt noch ein bedeutender Künstler und Architekt des Klassizismus und Historismus. Karl Friedrich Schinkel gehört zu den wichtigsten Baumeistern der beiden Epochen und hat sie maßgeblich mitgestaltet. Im unscheinbaren Bärwinkel befindet sich das erste Hauptwerk des Architekten, ein Gebäudeensemble bestehend aus Molkenhaus und zwei Nebengebäuden. Keine 3km davon entfernt, steht in Neuhardenberg die Schinkel-Kirche nach Entwürfen Schinkels, auch bei der Umgestaltung vom benachbarten Schloss war er federführend. Für den Schlosspark wiederum ist unter anderem Hermann Fürst von Pückler verantwortlich. Reserviert euch doch ein Picknick im Park und genießt Natur und Aussicht unter Bäumen.

    Schinkel Haus in BärwinkelSchinkel-Kirche NeuhardenbergSchloss Neuhardenberg im OderbruchSchlosspark Neuhardenberg

     

    Das Essen im Oderbruch.

    Ich LIEBE Kuchen. Es ist eine Mahlzeit, für die man sich bewusst Zeit nimmt, die man genießt und die nichts mit der gewöhnlichen Nahrungsaufnahme zu tun hat. Deswegen starte ich gleich mit einer Empfehlung, die sich rund um das süße Backwerk dreht. Martina betreibt das Kolonisten-Kaffee in Neulietzegöricke (Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag von 13.00 bis 18.00 Uhr) seit einigen Jahren und backt alle Kuchen direkt in der Gaststube selbst. Kaum hat man die Tür geöffnet, wird man von einem Duft von Streuselkuchen, Erdbeeren, Rhabarber und Kaffee eingehüllt und hat die Qual der Wahl, sich zwischen diversen Köstlichkeiten zu entscheiden. Das frische Obst kommt übrigens aus Gärten im Ort.

    Im Café Blaue Zwiebel (Öffnungszeiten: täglich von 12.00 bis 18.00 Uhr) in Bad Freienwalde soll die Eierlikörtorte das Highlight sein. Die gibt es meistens aber nur Feiertags und am Wochenende und so musste ich mich mit Eierlikör ohne Torte, dafür aber mit Waffel begnügen.

    Lasst uns noch kurz in Bad Freienwalde bleiben und bei der Oderbruchware (Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch geschlossen) vorbeischauen. Hier gibt es das Beste aus dem Oderbruch und Brandenburg zu kaufen, regional und saisonal. Der schöne Außenbereich lädt zum langen Sitzen ein, die Mahlzeiten zum Genießen und das alternative Flair zum Philosophieren.

    Stand mit selbstgemachter Marmelade im OderbruchEssen in Bad FreienwaldeInnenhof OderbruchwareFrida Kahlo

    Und jetzt folgt noch eine kleine Auflistung von Örtlichkeiten, die mir zwar empfohlen wurden, die ich aber mangels Zeit nicht besucht habe: Das Restaurant Oderblick in Lebus kommt etwas unscheinbar daher, soll aber eine sehr gute regionale Küche haben. Im Ziegenhof-Zollbrücke gibt es alles, was der Ziegenliebhaber begehrt, ökologisch und biologisch (man kann dort wohl auch mit dem Camper übernachten). Im Hofladen vom Milchschafhof Pimpinelle wird alles vom Schaf angeboten und auch sonst findet ihr im Vorbeifahren immer wieder kleine Hofläden, bei denen es sich zum Anhalten lohnt.

    Besorgt euch in den Läden eine leckere Brotzeit und macht einen Abstecher zur Picknickwiese Bruchkultur, wo ihr alle Annehmlichkeiten einer schönen Umgebung mitten in der Natur genießen könnt.

     

    Fontane und das Oderbruch.

    Theodor Fontane, einer der bedeutendsten Schriftsteller des deutschen Realismus, ist untrennbar mit Brandenburg verbunden. 2019 wäre er stolze 200 Jahre alt geworden und an einigen Stellen im Oderbruch findet man Hinweise auf ihn, auf seine Familie und auf seine Werke.

    Blick auf die Oder mit Holzbank in LebusVW T5 an Oder im Oderbruch

    In seinem Roman „Vor dem Sturm“ lässt er die Bauern aus dem Oderbruch entlang der Frankfurter Straße ziehen, einem alten Handelsweg, der heute als markanter Hohlweg u.a. durch den Reitweiner Sporn führt. In Letschin half er seinem Vater als Apotheker aus, der wiederum wohnte bis zu seinem Tod in Schiffmühle bei Bad Freienwalde und liegt im Nachbardorf begraben.

    ⇒ Weitere Informationen zu entsprechenden Ausflugszielen liefert das Reiseland Brandenburg.

    Mit dem Van durch das Oderbruch – ein Roadtrip in Brandenburg

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